Dienstag, 11. Juni 2013

Episode #14: Man kann es immer besser machen...

Ah, schon zwei Events habe ich dieses Jahr mit meiner alten Rüstung absolviert, nämlich die beiden MPS-Spektakel in Bad Säckingen und in Weil am Rhein! Als nächstes ist dann Karlsruhe dran, auch dies noch mit der "roten", denn die neue schwarze Rüstung braucht noch einiges an Arbeit und wird wohl erst auf die Saison 2014 fertig.

Immerhin erlauben meine aktuellen Erfahrungen mit der alten Rüstung meine Eigenbau-Rüstung besser und optimierter zu designen und zu bauen. Hier mal ein paar Punkte die ich bei meinem Design anpassen und somit den Tragkomfort wie auch das Aussehen massiv verbessern werde:



(1) Shikoro: Die Nackenschürze des alten Helmes ist viel zu gross und kommt zu weit runter! Dies führt dazu dass die unterste Lamelle sich oft zwischen den beiden Schulterpanzern verkeilt so dass ich meinen Kopf kaum bewegen kann! Ich renn dann jeweils schlacksig rum wie C3-PO ("We're doomed..."), und das wollen wir ja nicht...

(2) Sode: meine Schulterpanzer werden enganliegender als die grossen, fast vertikalen Platten der alten Rüstung, und sollen dem Schulterverlauf besser folgen! Auch dies soll mir mehr Kopffreiheit geben und authentischer aussehen.

(3) Maedate: die Helmverzierung ist ja schon cool, aber man verkeilt sich damit immer in den Zeltdächern, wenn man mal an einem Stand was anschauen will. Vielleicht verzichte ich vorerst mal auf Helmzierrat, oder designe zumindest was was gut 'unten durch ' kommt...

(4) Kote: meine jetzigen Armpanzer sind viel zu kurz, und deshalb ist meine Armfreiheit eingeschränkt und vor allem die Handrückenpanzer sitzen einfach nie wo sie sollen! Also: richtig dimensionieren!

(5) Men yoroi: Die Gesichtsmaske Menpô mit anhgehängtem Kragen (6) sieht ja fein aus, und man kann damit super Leute erschrecken! Andererseits schränkt das ganze Geplämpel wie auch die Nackenschürze die Kopfbewegungsfreiheit stark ein - und stört ungemein beim Knutschen (7)... Ich werde deshalb wohl das ganze aufteilen in Halsschutz Nodawa und einfacher abnehmbare Maske. Muss mich noch erkundigen ob das auch authentisch ist und so praktiziert wurde. Naja, man muss auch nicht immer päpstlicher sein als der Papst. Oder shôgunischer als der Shôgun...

(8) Natürlich wird der Brudtpanzer genau auf meinen Körper abgestimmt! Ich sag jetzt aber pointiert nicht ob mehr oder weniger gedengelt werden muss...

(9) Odoshi: ich werde speziell auf eine gute, stabile Verschnürung achten müssen! Die billigen China-Schnürsenkel sind nach gut einem Jahr schon recht ausgeleiert und die Schürzen und so wärden länger und länger und zeigen z.T. schon vereinzelte Zwischenräume! Also sauber und straff verschnüren - vielleicht stabilisier ich sogar mit etwas Leder - das hilft auch gegen Geklapper...

Kampfwertsteigerung schon vor dem eigentlichen Bau?!? Also fast wie beim Gripen E...

Montag, 27. Mai 2013

Episode #13: Zweite Hämmerung

Ha! ich könnte mich an die Metallbearbeitung gewöhnen!

Heute hab ich vor dem Nachtessen schnell ausprobiert, wie man ein fukurin macht...

"Fukurin" ist nicht etwa ein japanisches Fluchwort, sondern ein aus einem Metallstreifen gefertigter Rand auf einem anderen Metallteil.

Eingesetzt wurden fukurin früher vor allem um dekorativ bedruckte Lederstücke an Metallplatten der Rüstung zu befestigen indem das leder durch den Metallrand auf die Platte geklemmt wird. Später verzichtete man oft auf das Leder, setzte die fukurin aber noch ein um - ebenfalls der Dekoration wegen - einer Metallplatte etwas mehr Struktur zu geben.

Die Herstellung eines solchen Randes wurde in den einschlägigen Foren als recht knifflig beschrieben, aber es geht eigentlich auch überaschend einfach: Man schneidet sich eine ca. 1cm breiten Streifen eines weichen Metalls (in meinem ersten versuch nahm ich Kupfer, wenn's ernst wird werde ich Messing verwenden) und falte den in der Mitte um ein U-förmiges Teil zu erhalten. Dieses U steckt man dann auf die verzierende Stahlplatte und hämmert es fest!

Ganz einfach bei geraden Stücken, etwas pröbeln muss man aber wenn man um 'ne Kurve muss - wie zum Beispiel bei den Endplatten meiner sode-Schulterpanzer. Aber auch das scheint gut zu funktionieren!

Die 'echte' Variante wird dann an beiden Enden des fukurin noch kleine Verbreiterungen des Streifens haben: durch diese Flugelchen und die Platte darunter wind ein kleines Loch gebort und das fukurin mit einem feinen Metallstift sicher vernietet, damit es nicht wegspringen kann.

Kupfer-fukurin an meiner sode-Endplatte - mal
versuchsweise...
Also langsam hab ich die Techniken zusammen!

Brauch ich nur noch einen schallgedämpften Raum in dem ich so richtig loshämmern kann... Hat irgendwer Zugang zu 'ner Gummizelle?

Montag, 6. Mai 2013

Episode #12: Erste Hämmerung...

Pfüh, schon wieder über zwei Monate her seit meinem letzten Eintrag - aber keine Angst, ich bin nicht (nur...) faul rumgelegen, sondern wieder ziemlich weiter gekommen!

Abgesehen davon dass ich mir eine Nähmaschine zugelegt und bereits an meiner Rüstung rumgeschneidert (der Bericht dazu folgt noch), weitere Teile designed und wieder viel rumexperimentiert habe, habe ich nun auch ein Grossteil des benötigten Materials für Brustpanzer sowie die Schulterpanzer sode und die Schürzen kusazuri zusammen! Nun kann ich also so richtig mit dem eher brachialen Teil des Rüstungsbaus beginnen: Stahlbearbeitung!

Die Teile für die Lamellen des sowie die geschwungene Endkappe der sode habe ich wiederum per CAD gezeichnet und laserschneiden lassen, während ich für die geraden Lamellen der anderen Elemente einfach Streifen von Stahlblech in der benötigten Breite (68mm) und einem Meter Länge beschafft habe, die ich mit meinen Werkzeugen problemlos auf die benötigten Längen kürzen kann...

Hier ein paar Impressionen:

Dies eine Zeichnung der Teile für die Vorderseite des ...
...und hier die Rückseite...
...was zusammen Stahlblech von ziemlich
genau 10kg für den ganzen Brustpanzer
entspricht!
Und hier das Resultat der allerersten Hammer-
schläge an meiner Rüstung: der untere Rand
der sode-Endplatten muss umgefalzt werden...
Auf den umgefalzten Rand der oben gezeigten Endplatte wird dann später - nach sauberer Verarbeitung des Metalls und Stanzen einiger Löcher für Nieten und Schnüre - die oberste Panzerplatte der sode angenietet. Der Geschwungene Teil der hier nach links schaut steht also schlussendlich senkrecht von der Schulter nach oben (und soll meinen Hals ein wenig vor mich-köpfen-zu-wollenden Schwertstreichen schonen...) , während die oberste sode-Platte dann horizontal von den Schultern absteht.

Hey, das Bearbeiten des Stahlblechs geht überaschend gut! Ich arbeite bei den unterschiedlichen Schritten mit einem kleinen 10kg-Amboss, verschiedenen Hämmern und einem Schraubstock, und prügle so den Stahl in die gewünschte Form. Es ist noch etwas Einarbeit und einiges an Feinschliff nötig, aber das kommt gut!

Stahlblech kann aber nicht nur gehämmert, sondern auch gepresst werden um es in die gewünschte Form zu bringen. Diese methode setze ich bei meinen Plättchen für den Oberschenkelpanzer haidate ein, wo ich etwa 60 Plättchen möglichst die gleiche Form geben will. Dazu nehme man ein paar Alu-Winkel, drei halbrunde Messing-Stäbe und einen Schraubstock:

Platte leicht einklemmen und sauber ausrichten...

...ein paar kräftige Kurbelungen am Schraubstock...

...und - tadaaa - fertig ist ein fertiges haidate-
Panzerplättchen!
Das Formen der Plättchen für die Armpanzer (die werden nicht winklig wie die oben gezeigten, sondern rundlich gebogen) hab ich mir noch eine skurilere Methode ausgedacht (und bereits erfolgreich getestet): aus Jasskarten (!!!) hab ich mir die gewünschte Plattenform zusammengesetzt (also die Karten flach aufeinander aber so gegeneinander verschoben dass sich eine 'Öffnung' bildet), die Karten untereinander gut verleimt, und habe so nun eine Lehre in die ich die Platten einsetzen und mit dem hammer in diese Form reindengeln kann!

Unbearbeitete (links) und bearbeitetes kote-Plättchen zusammen
mit der Jasskarten-Lehre...
 Klar hätte ich die Lehre auch aus einem Stück Holz herausschleifen können, aber das wäre aufwändiger und ungenauer gewesen. Mit dem kartentrick lassen sich einfach auch kompliziertere Lehren fertigen! 

Nicht vergessen: wenn's blöd aussieht, aber funktioniert, dann ist's nicht blöd...   = )
 

Donnerstag, 21. Februar 2013

Episode #11: Dunkle Ketten

Meine lasergeschnittenen Panzerplättchen scheinen zu gefallen - ich hatte jedenfalls ein interessiertes Echo im Rüstungs-Forum in den USA. Es gibt sogar Leute die sich dafür interessieren, solche Platten (v.a. die kleinen sechseckigen kikkô) zu beziehen!


Es sind dabei auch noch Fragen aufgetaucht zu meinem Kettenmaterial und zur Weiterverarbeitung der Plättchen, daher hab ich ein paar Bilder gemacht, und die teile ich hier auch mit Euch:



So hämmere ich die kikkô-Plättchen in die benötigte Tellerform:
rauf auf den Klotz, rundes Ende des Ingenieurhammers drauf,
und mit einem zweiten Hammer feste druff gehaut!
Kettenpanzer-Teile können eingefärbt werden indem man sie sprayt,
oder aber - wie hier - mehrfach in Leinsamenöl taucht und nachher
abfackelt, wodurch eine dunkle Oxydschicht auf der Metalloberfläche
entsteht.
Hier ein Vergleich zwischen unbehandeltem und mittels oben erklärtem
"Schwarzbrennen" behandelten Ketten. Mal noch schauen wie's mit
Sprayen aussieht...




Mittwoch, 20. Februar 2013

Episode #10: Ninja Turtle

Hey, meine gelaserten Plättchen sind eingetroffen! Jetzt hab ich also einiges zu tun und es geht wieder voran mit den Armpanzern kote und nun neu auch mit den Knieschonern tateage und dem Panzermäntelchen manchira! Mittlerweile wirds auch farblich interessanter...

Hier aber mal was mir Meyer Blech-Technik AG hübsches rausgelasert hat (siehe auch die CAD-Zeichnung der Plättchen im letzten Blogeintrag):

Die Plättchen für kikkô-Brigandine, haidate-Oberschenkelpanzer
und kote-Armpanzer. Das Massband ist in Zoll, denn die Bilder
sind für ein in den USA angesiedeltes Japanrüstungs-Forum
gemacht...
Während ich nebenbei die Produktion vom Kettenpanzer für Arme und Schenkel wieder aufgenommen habe (ich pausierte um auf die Platten zu warten), habe ich nun auch (tief in der Nacht *gähn*) mit den brandneuen sechseckigen kikkô-Plättchen experimentiert.

Kikkô bedeutet 'Schildkröte' und bezeichnet im Japanischen Rüstungsbau ein Material, das aus vielen sechseckigen Plättchen besteht die zwischen zwei Stofflagen eingebunden sind. Solches in Europa als Brigandine (nein, das ist nicht die Frau des gallischen Schmieds und Rüstungsbauers Automatix...) bekanntes Material ist sehr flexibel, bequem zu tragen und bietet trotzdem mässigen Schutz vor Schnittwunden, nicht aber vor Stichen, da Klingen und Pfeile leicht zwischen den einzelnen Plättchen die Rüstung und den Typen darin perforieren kann.

Die japanische Brigandine-Variante kommt oft recht farbenfroh daher, denn erst werden die Plättchen mit einer kreuzförmigen Verschnürung fixiert und dann mit einer doppelten Bahn Garn sechseckig abgegrenzt - und dies oft in kontrastreichen Farben. Bei mir wird's orangegelbes Fixierungsband und gelbes Sechseck auf nachtblauem Grund. In dieser Art und Weise werden die Knieschoner tateage sowie das Mäntelchen manchira, das unter der Rüstung getragen wird und die heiklen Achselhöhlen und den Hals schützen sollen, ausgebildet.

Trägerstoff für Knieschoner tateage mit darauf angeordneten
kikkô-Plättchen...

Einzelnes kikkô-Plättchen mit versuchsweise mal durch-
geschlauftem Bändel. Ein Plättchen misst ca. 15x17mm...

Kleiner "Blätz" mit meinem ersten kikkô-Versuch! Ist noch
etwas unregelmässig, aber wenn ich auch auf der Vorder-
seite sauber vorzeichne gehts dann schon!

Die Herausforderung beim Ganzen ist, einen 5mm breiten Schnürsenkel durch nicht nur ein 2.5mm grosses Loch auf der Platte, sondern auch noch durch zwei Lagen Stoff zu pfriemeln, ohne dabei das Gewebe so zu verletzen dass die Stabilität darunter leidet. Ich hab das erfolgreich geschafft indem ich den Senkel ganz eng verdrehe und in diesem Zustand mit Sekundenkleber tränke und trocknen lasse. Nachhher zwicke ich das Ende der Schnur ab, spitze den mit Sekundenkleber gehärteten Teil leicht an und hab presto eine Nadel mit der ich durch alles durchkomme wo ich durch muss! Zumindest wen ich den Stoff mit einer Ahle erst vorsichtig loche...

Und eben, auch Kettenarbeit ist wieder gefragt! Hier ein  Versuchsmuster für die haidate: Pro Oberschenkel gibts drei Bahnen à 10 Plättchen, die mit Ketten zusammengemacht und auf den Stoffteil der haidate genäht werden. Die Plättchen werden dabei senkrecht angeordnet.

Erstes Muster zweier Zeilen von Panzerplatten für haidate-
Oberschenkelpanzer. Die Plätttchen werden vor dem
endgültigen Einbau noch halbrund in Form gedengelt und
schwarz lackiert...
So viele Platten, so wenig Feierabend...   = (





Montag, 14. Januar 2013

Episode #9: Tradition

Es wird konkreter und konkreter! Mittlerweile hab ich eine tolle Handlochstanze, 'ne Hebelblechschere, kann nieten, weiss was ich will...

Brauch ich aber etwas Material!

Damit ich im Moment weiterkomme lass ich mir vorerst mal drei unterschiedliche Plattentypen fertigen: Stahlplatten für Armpanzer, für Oberschenkelpanzer und für Knie- und Schulterpanzer mach' ich mir nicht selbst, sondern lasse sie in alter traditioneller Art und Weise mittelalterlich authentisch Laserschneiden!

Traditioneller Holzschnitt (ca. 16.Jh.)einer
hikari setsudan  bei der Arbeit mit dem Laserskalpell
Ich weiss es ist im Allgemeinen nicht weit bekannt, aber die Japaner haben schon vor Jahrhunderten die Laserschneidetechnik erfunden und perfektioniert! Die berühmte Shikashi inazuma-Technik des Meisters Gojira no Gensô (1399-1467) wurde vor allem von über viele Jahre ausgebildete Hofdamen, den hikari setsudan (Licht-Schneiderin) ausgeübt. Für den für dieses Verfahren sehr hohen Energiebedarf wurden grosse Lafmühlen für speziell gezüchtete Riesennager namens hamtaro jikkô gezüchtet. Diese sind aber später leider alle - wohl wegen Kreislaufproblemen - ausgestorben, so dass heute der für das Laserschneiden benötigte Strom halt aus der Steckdose geholt werden muss.

Ok, hier nun aber die drei Platten die ich mir für mein Projekt designed hab: Links die schmalle Panzerplatte für den Oberschenkelpanzer haidate (davon brauch ich etwa 60 Stück), in der Mitte die etwas breitere Platte für den Armpanzer kote, von denen ich bloss etwa 20 brauche (Ihr erinnert Euch an die Kupfer-Platzhalter aus Episode #8? Genau da kommen die dann rein - deshalb auch die vielen Löcher für die Kettenringe...), und schliesslich rechts ein paar der sechseckigen kikkô-Plättchen, die  zwischen zwei Stoffschichten genäht werden und somit einen Brigandinen-Panzer bilden der zum einen an den Knien und zum anderen an Schultern/Achseln/Hals zum Einsatz kommen. Hiervon brauche ich satte 750 Stück. So in etwa. Wird viel Arbeit, sieht dann aber wegen dem Schildkrötenartigen Muster echt fein aus!


In einer nächsten Phase - die ich schon fleissig am vorbereiten bin - werden dann auch noch die  geschwungenen Lamellen für den Brustpanzer und für den Helm ausgeschnitten...

Sonntag, 16. Dezember 2012

Episode #8: Brustbild

So, einiges ist gegangen in letzter Zeit, sowohl handwerklich als auch konzeptionell: ich habe an dem ersten Arm-Kettenpanzer weitergearbeitet, dafür die dazu benötigten Platten neu dimensioniert, etwas mit Stahlblech rumexperimentiert (kennt Ihr das Geräusch eines brechenden 1.5mm Bohrers mit Titanbeschichtung?), meinen Werkzeugkasten etwas gepimpt und weiter am ganzen Projekt rumgegrübelt...

Ein erster Teil des Kettenpanzers des linken Arms mit Placeholder-
Panzerplatten aus Kupfer (wird schlussendlich Stahl). Man muss
sich vorstellen dass die Platten auf dem Oberarm liegen und
die leeren Quadrate auf der Ellbogen-Innenseite.
Oben/vorne kommen dann die Unterarmschienen dran, und Mitte
links die runde Schutzplatte des Ellbogens...
Zwischenzeitlich steht sogar die Bauform des Brustpanzers ziemlich fest: es wird ein sogenannter ni-mai dô, der aus sich leicht überlappenden Vorder- und Rückseitenteilen besteht die mittels Schnüren zusammengehalten werden. Die geplante Ausführung nennt sich yokohagi, was heisst dass der Kürass aus horizontalen, miteinander vernieteten Lamellen besteht. Das Ganze zusammen heisst somit yokohagi ni-mai dô.

Dieser Kürass-Typ war häufig bei eher niedrigrangigen Samurai, was meinem Plan erst mal mit einer einfachen, unkomplizierten Rüstung zu bauen nahe kommt. Das Ganze wird wahrscheinlich schwarz lackiert und auf der Vorderseite mit einem goldenen Clan-Wappen mon bepinselt. Auf der Rückseite kommt ein kleiner Halter für die Schlachtstandarte hin.

Die extrem hilfreiche Website Nihon Katchû Seisakuben vom versierten Japanologen und Samurai-Rüstungs-Guru Anthony J. Bryant offeriert praktischerweise ein Schnittmuster für diesen Panzerungstyp, und so hab ich etwas rumgebastelt um zu schauen wie sich die Form der Rüstung ergibt - und siehe da, es geht:

Vorder- (rechts) und Rückseite des aus Papier, ca. Mass-
stab 1:2. In den Ecken und oben an den Panzern kommen
weitere, geschwungene Platten dran die dem Ganzen eine
abgerundetere Form geben...
Geplant ist nun dass ich über Weihnachten die Lamellen auch 1:1 aus Karton fertige und den Panzer so mal aufbaue und auf meinen Körper abstimme, bevor ich dann das Schnittmuster der insgesamt 23 -Platten im CAD aufzeichne und zum Laserschneiden gebe.

Dann geht's ans Hämmern und Nieten!



Donnerstag, 15. November 2012

Episode #7: Hand-gemalt

Ich hab mich etwas schwer damit getan die Form der Handrücken-Panzerplatten zu bestimmen respektive aufzuzeichnen: Man misst es sich auf dem eigenen Handrücken so in etwa aus, überträgts auf Papier, schneidet mal aus und es passt trotzdem nicht ganz so dolle.

Gut hab ich manchmal Ideen! 

Eigentlich soll das Ganze ja wie ein Handschuh sauber anliegen - wieso also nicht einen Handschuh als Vorlage! Man möchte sich aber diese in naher Zukunft wieder wertvoller werdenden Kleidungsstücke (Winter is coming...) nicht zerstören - nimmt man halt was anderes: Gummihandschuhe!

Flugs ein Paar passende Abwaschhandschuhe gekauft, angezogen und kreativ bemalt:

Dann den Rändern entlang aufgeschnitten und flach gelegt hat man grad die genaue Form den der Stoff und die Platten schlussendlich haben sollen:


Das wird dann mit dem Grundriss des restlichen kote zusammengeführt und auf ein grosses Blatt Papier (ich verwende dazu einen Flipchart-Block) übertragen, auf dem man weiter designen und planen kann:


Wie Ihr seht hab ich nun auch mit der konkreten Fertigung des ersten Rüstungsteils begonnen! Kommt gut...

Dienstag, 13. November 2012

Episode #6: Der Stoff aus dem die Helden sind

So Jungs und vor allem Mädels! Ihr seid dran!!! Ich brauche Eure wehrte Meinung...

Früher oder später muss ich mich nicht nur für die Hauptfarben meiner Rüstung entscheiden (wird sehr wahrscheinlich schwarzglänzende Platten mit dunkelblauer und goldgelber Verschnürung, Ketten und blanke Metallteile (Arme und Schienbeine) schwarzgebrannter Stahl), sondern auch für das Design der Stoffelemente.

Jaja, im Gegensatz zu den recht fixen Rüstungstypen etwa bei WoW gibt's bei den Japanern nicht nur Platte oder nur Kette oder nur Leder und reine Stoffies auch nicht - alles zusammen aber allemal!

Also. Stoff. Genau, Stoff brauch ich ja auch noch für die unteren Schichten, genauer als Basis für kote, suneate und haidate (ich hoffe bis jetzt habt Ihr Euch langsam an die Begriffe für Arm-, Schienbein- und Oberschenkelpanzer gewöhnt, ja? Seht Ihr? Bei mir lernt Ihr sogar ein wenig Japanisch, neh?). Man sieht zwar vom Stoff nicht allzu viel, aber er bildet schon einen interessanten Hintergrund der den Betrachter beim genauen, ehm, Betrachten der Rüstung doch überaschen und erfreuen kann!

Meine Stoffteile möchte ich wie die Rüstung als Ganzes eher dunkel halten: schwarz, dunkelgrau, dunkelblau, sowas in der Art.

Wo ich mit mir innerlich noch streite ist ob ich uni, geometrisch gemusterten oder gar mit coolen Sujets verzierten Stoff verwenden soll! Alles habe ich bisher beobachtet, wobei natürlich im Allgemeinen die Regel gilt dass je reicher und wichtiger ein Samurai war auch seine Rüstung teurer und ausgefallener ausgeschmückt war.

Hier habe ich Euch mal ein paar Beispiele die mir gefallen würden:

Vier mögliche typische Sujets, alle in Brokat: Phönix, Drachen, Gemüse. Das Ganze in diversen Kombinationen untereinander. Mir gefallen vor allem die kontrastreichen, schlicht zweifarbigen in der oberen Reihe...

Da nun die gemusterte Reihe: Das Motiv links unten ist ein traditionelles Japanisches Muster, wie auch die Libellen oben rechts. Libellen galten übrigens als "Sieges-Käfer" und waren ein beliebtes Sujet bei den Samurais, selbst in Form von grossem, goldenem Helmschmuck in 3D-Ausführung. Chrysanthemen wie rechts unten trifft man auch oft an.

Für die Uni-Varianten habe ich keine Muster abgebildet: anthrazit, schwarz, dunkelblau und dunkelgrau könnt Ihr Euch vorstellen, so mental und so, ja?
Ich habe auch noch unzählige weitere Verzierungen und Muster in Museen, Burgen, Büchern und Websites gesehen, von Fischen über Bäume bis hin zu hoppelnden Häschen. Die Langohren sind natürlich eines der Chinesischen Tierkreiszeichen und zusätzlich auch wohl wegen ihrer Flinkheit und Fitness (im Biologischen Sinne) ein beliebtes Symbol bei den Japanischen Kriegern, aber ich denke hier im Westen würde einer Samurai-Rüstung im Oster-Look auf etwas Unverständnis stossen. Und die Hello-Kitty Variante kommt auch nicht in die Tüte, versprochen!

Aber was denkt Ihr? Welche Stoffe gefallen Euch? Schreibt's mir doch im Kommentar, danke!

Und Schwesterlein-Klein: Welches gefällt wenns mal kein Drachen sein würden täte?!?   = )


Episode #5: Arm dran...

Langsam wird's konkreter! Ich habe nun schon neben der vielen Literatur auch schon einiges an Werkzeug und sogar ein Bisschen Hands-on-Erfahrung mit einzelnen Verfahren und Techniken zusammen, und kann nun also langsam loslegen...

Als erste Komponente meiner Rüstung werde ich die Armpanzer kote fertigen. Dies weil hier die mir noch relativ unbekannte Blechbearbeitung  noch nicht in ihrer komplexeren Form vorkommt und auch das allgemeine Design recht einfach ist:
  • Ärmel aus drei Lagen Stoff
  • Panzerung aus mehreren ca. 20cm langen Unterarmschienen
  • Etwa 20 Stück  7cm x 3cm messende Panzerplatten für Oberarm
  • Vier Platten für Handrücken und Finger und eine Rosettenförmige Platte für den Ellbogen
  • Das Ganze zusammengeheftet mittels Kettenringen kusari die auf den Stoffärmel genäht werden
Hier mal eine Planungsskizze:


Die Grüne Silhouette wird grob "mein" Arm. Ebenfalls sichtbar die blaue Silhouette die dem Grundriss meiner roten Chinesenkopie (liegt links daneben) entspricht - schon etwas kurz für mich. Sichtbar auch grob die Anordnung der Platten und Ketten...

Das Ganze muss natürlich präzise geplant werden: wie gross wird der Ringabstand schliesslich? Wie müssen die Platten aussehen und wo wird gebohrt? Passt das Zeuchs auch auf den Ärmel drauf?!? 

Denke ich zeichne es noch einiges genauer 1:1 auf und mach mir ein Muster. Die genaue Ringanordnung und die Plattenabmessungen stehen schon:




Freitag, 2. November 2012

Episode #4: Lesestunde

Ich habe schon einen passablem Grundstock an Literatur zum Japanischen Mittelalter, aber nun brauche ich natürlich etwas mehr und vor allem etwas spezialisiertere Literatur! So hab ich denn auf Amazon etwas rumgekuckt und mir folgende Titel bestellt:
  • Art of Armor: Samurai Armor from the Ann and Gabriel Barbier-Mueller Collection
  • Bryant A: Sengoku Revised Editon (Book Trade Ed.)
  • Price B: Techniques of Medieval Armour Reproduction: The 14th Century
  • Turnbull S: Hatamoto: Samurai Horse and Foot Guards 1540-1724
  • Bryant A: Sekigahara 1600: The Final Struggle for Power
  • Sharpe M: Samurai Battles: Japan's Warrior Lords in 700 Years of Conflict
  • Tsunetomo Y: Art of the Samurai - Yamamoto Tsunetomo's Hagakure (2008)
  • Turnbull S: Samurai Commanders (1): 940-1576
  • Kure M: The Samurai
  • Michael Sharpe: Samurai Battles
  • Stephen Turnbull, Richard Hook: Samurai Commanders (2): 1577-1638 (Elite) (Vol 2)
  • Stephen Turnbull, Richard Hook: Samurai Commanders (2): Samurai Armies 1550-1615 (Men-at-Arms)
  • Stephen Turnbull, Giuseppe Rava: Samurai Women 1184-1877 (Warrior)
  • Anthony Bryant, Angus McBride: Samurai 1550-1600 (Warrior)
  • W.M. Hawley, Panchita S. Hawley: Katchu - Japanese Armor of the Kamakura Period
  • Kure, Mitsuo: Samurai: Arms, Armor, Costume (Chartwell Books Hardcover )
  • Collectif: samurai armor design
  • Ian Bottomley: Arms and Armor of the Samurai: The History of Weaponry in Ancient Japan
  • Stephen Turnbull: Samurai: The World of the Warrior
  • Stephen Turnbull: The Samurai Sourcebook (Arms & Armour Source Books)
Drei Viertel dieser 20 Titel sind bereits eingetroffen, was ungefähr einen kniehohen Stapel ergibt:

Das wertvollste (aber nicht teuerste) Buch der Sammlung ist grad das zuoberst, welches gestern in mein Milch-Chäschtli gezwengt war:
TOMAR - "Techniques of medieval Armour Reproduction" von B.Price, die Bibel der Rüstungsbauer! Hier ist alles über den Nachbau (westlicher) Rüstungen vom Design über Werkzeug zur den Verfahren und Fallbeispielen im Detail erklärt und aufgezeigt - eine Goldgrube an Wissen!!!

Also falls mich einer in nächster Zeit sucht: ich bin der der sich im mit Leuchtstift, Post-it's, Notizbuch und ein paar Schunken und einem Caramell-Macchiato im Starbucks-Fauteuil verkrümelt hat...


Oh, und zusätzlich zu den Büchern hab ich mittlerweile auch noch knapp unter 1'500 Rüstungs-Bilder aus dem Internet gesaugt - schon praktisch wenn man in der heutigen, vernetzten Welt lebt!

Episode #3: One Ring to bind them...

Bei den Europäischen Kettenpanzern ist ein Ring jeweils mit vier bis acht anderen Ringen verbunden, wodurch ein sehr starkes, von oben gesehen eigentlich mehrschichtiges Kettengeflecht entsteht. Zum Teil sind die Ringe sogar doppelt gehalten, was einen noch besseren Schutz  - und noch grössere Kosten - bedeutet. Und dann waren die einzelnen Ringe oft noch mit einer Mini-Niete geschlossen (was bei den Japanern sehr selten war), was das Ganze auch nicht einfacher macht: Ein Kettenhemd mit einem doppelringigem 1-in-8 Muster und genieteten Ringen verschlang gerne mal 1 Jahr für die Herstellung!  Kein Wunder nennt man sowas "King's Mail"...

Zum Glück haben die Japaner Kettenrüstungen etwas anders eingesetzt und deshalb auch einfacher gebaut: Hier waren die wichtigsten Schutzelemente der Rüstung die lackierten, miteinander verschnürten Stahl- und Leder-Schuppen und die Kettenpanzer kusari wurden nur kleinflächig als zusätzlicher Schutz von speziell beweglichen Körperstellen (am prominentesten sicher an den Armpanzern kote) und als Verbindungsmaterial zwischen Panzerplatten eingesetzt. Tja, die Kriegsführung war halt unterschiedlich: während in Europa die Waffen sehr schwer waren und (sagen wir mal) hauend-hackend wirkten, waren die Japanischen Waffen leichter und und eher aufs Schneiden ausgelegt. Einem Schlag mit einem hiesigen Zweihänder hält ein kusari sicher nicht stand, einem Schnitt mit einem katana schon eher.

Eben, japanische Kettenrüstung war leichter, feingliedriger und viel lockerer aufgebaut: während bei typischen westlichen Kettenrüstungen die Ringe alle gleich ausgerichtet waren und flach aufeinader lagen respektive ineinander verhänkt waren, wechselten sich bei den Japanischen kusari (meist) grössere, flach liegende Ringe mit kleineren, vertikal stehenden, oft ovalen Gliedern ab. Diese senkrecht stehenden Ringe waren oft aus zwei feineren, miteinander verschweissten Drähten gefertigt (was ich mir aber nicht antue).

Ich habe nun die Herstellung von Japanischen Kettenpanzern ausprobiert und dabei mit unterschiedlichen Ring-Grössen und -Formen und unterschiedlichen Drahtstärken gearbeitet, um schliesslich auszuwählen mit welcher Variante ich fahren will. Als Muster habe ich hierbei immer kaushi-gusari verwendet, ein Typ bei dem in regelnässigen Abständen jeweils Flächen von 2x2 flachen Ringen ausgelassen wurden. Diese freien Stellen waren etwa an den Ellbogen-Innenseiten angebracht und erlaubten nicht nur eine grosse Beweglichkeit sondern waren auch noch sehr dekorativ.

Hier meine drei Varianten:


1) Rechts oben mein allererster Versuch bei dem die flach liegenden Ringe 1.2mm Drahtstärke hatten, während die vertikalen, runden Verbindungsringe 1.0mm aufweisen. Beide Ringtypen haben einen  Innendurchmesser von 4mm. Das Geflecht wirkt sehr dicht und grob - und zudem eigent sich das Material der flachen, dicken Ringe (verzinkter Stahl) nicht für nachträgliches Schwarzbrennen um eine dunkle, korrosionsbeständige Oberfläche zu erhalten.

2) Die zweite Variante, links oben, besteht nun aus 1.0mm-Federstahl und ist somit schwarzbrennbar. Hier habe ich mit dem Ringdurchmesser gespielt: Die flachen Ringe haben einen Innendurchmesser von 5mm, die vertikalen Verbindungsringe (immer noch rund) bloss 4mm.

3) Die dritte Variante (links unten) schliesslich besteht ebenfalls aus 1.0mm-Federstahl und auch hier sind die flachen Ringe innen 5mm gross, aber hier sind im Gegensatz zur Variante 2 die vertikalen Verbindungsringe oval: Indem ich kurze Würmer mit 4mm Innendurchmesser (etwa 2cm resp. ca. 20 Ringe lange Würmer - was länger ist lässt sich kaum flachdrücken - Federstahl halt...) vor dem Scheiden im Schraubstock von 6mm auf 4mm gequetscht habe. Das mit diesen ovalen Ringen gefertigte kaushi-gusari sieht nun schon sehr authentisch aus: von etwas weiter weg betrachtet wirken jeweils die aus vier grossen und vier kleinen Ringen bestehenden Quadrate wie sehr grosse Ringe, was sehr nett aussieht!

Ich denke für meine erste Rüstung (uff, soweit sind wir schon: ich denke schon über mehrere Rüstungen nach...) nehme ich die Variante 3!