Dienstag, 3. März 2015

Neues Jahr, neues Glück...

Uff! Über ein Jahr her seit meinem letzten Eintrag – und mir wurde schon ein paar Mal nahegelegt dass man denn etwas weitermachen sollte, gell Jan…

Im letzten Jahr bin ich leider nicht soooo gut weiter gekommen wie vorgesehen – so nebensächliche Unannehmlichkeiten wie erneuter Wohnungswechsel helfen halt nicht sonderlich bei solchen Projekten. Aber nun möchte ich das Projekt wirklich durchdrücken und wieder vermehrt an meiner Rüstung basteln!

Ziel: fertig auf die Fantasy Basel Mitte Mai 2015!!!

Ganz untätig war ich aber nicht:

Ich habe die Beinschienen fertig gedengelt, verkettet und lackiert, und einen der beiden Suneate-Beinschoner fertig genäht, während beim zweiten auch nur noch der Lederpatch und der Saum fehlt, danach kann ich die Schienen drauf fixieren, die Schnürbändel anbringen und fertig wären die Suneate!

Recht weiter bin ich auch bei den Armpanzern Kote: auch hier sind alle Schienen und Plättchen fertig, und der linke Armpanzer ist schon voll verkettet während beim rechten noch einiges an Kettengeflecht zu fertigen ist. Aber kommt!

Auch beim Helm bin ich etwas weiter: ich habe bei einer Army-Liquidation einen alten Helm aus dem Ostblock gefunden, dessen Kopffutter ich aus- und bei meinem Helm einbauen kann. Dann habe ich  - mit bisher ässigem Erfolg – versucht den Helm etwas zu verspachtelnund zu verschleifen, aber da gibt’s noch einiges zu tun! Und ich habe die Schürzen für die Lackierung vorbereitet, sprich die ganzen Löcher reingestanzt.

Dann hab ich noch etwas mit Prototypen von Sode-Platten rumexperimentiert und geschaut ob das mit der Schnürung hinkommt, und auch da bin ich zuversichtlich, musste aber einen neuen Satz an Lamellen schneiden nachdem ich beim ersten Versuch etwas danebengehauen habe.

Auch beim bin ich weiter gekommen: die Rückseite wurde nun fertig vorbereitet (sprich die Schulterlaschen angenietet, die Löcher für die Schnüre angebracht, und das Ganze auch bereits einmal vorlackiert), und der Vorderteil ist auch schon fast fertig für die Lackierung – fehlen nur noch ein paar Löcher und das Verschleifen…

Schliesslich stecke ich gerade voll in der Fertigung der Schürzen, die ich aus 6 Gruppen aus je 5 leicht trapezoider Lamellen fertige: Hier wurden die Lamellen mit der Hebelblechschere zugeschnitten, die Ecken mit Blechschere und Schleifmaschine etwas abgerundet, die Lamellen in geschwungene Form gedengelt, und nun bin ich dabei die Kanten hammermässig abzuknicken, um den Platten mehr Festigkeit und ein attraktiveres Aussehen zu verleihen…

Die diversen Themen hier werden übrigens bald auch im Blog verarbeitet und so gut es geht im Detail dokumentiert!

Montag, 13. Januar 2014

Episode #17: Die Panzer-Wampe

Poah ey! Ich hab mal wieder einen rechten 'Gump' genommen und kann Euch nun schon einen fast fertigen Brustpanzer meines vorstellen! Die Blechbearbeitung dieses Rüstungsteils hat mir nun lange Zeit einiges an Kopfweh und Sorgen bereitet, aber nun da ich es ausprobiert habe ist mir schon viel wohler. I can see clearly now, the rain has gone...

Ok, also was hab ich gemacht um einen Brustpanzer zu bauen:

Die einzelnen Lamellen (Ihr erinnert Euch: die hab ich mir aus 2mm-Stahlblech auslasern lassen...) habe ich erst grob halbrund vorgebogen. Dadurch erhielten sie zwar eine dem Körper entlang verlaufende Form, passen aber untereinander nicht komplett aufeinander, da sie immer noch in der Vertikalen flach waren.

Angefangen bei der untersten Lamelle begann ich daher, diese leicht mit einem abgerundeten Holzhammer auf meinem Holzblock (extra dafür mit einer flachen Mulde versehen...) in eine bauchige Form zu treiben.

Dies benötigte ein paar Durchgänge in der sich Treiben und anschliessendes Abflachen in die umgekehrte Richtung (wir wollen die Lamellen ja nicht zuuuu bauchig) mit Fäustel auf Amboss, bis die unterste Lamelle die optimale Form erhielt.

Dann wurde die zweitunterste Lamelle gebogen und natürlich auch getrieben, bis sie nun perfekt hinter die unterste Lamelle passte. Sobald die beiden Lamellen aufeinander passten habe ich mit meinem Stanzwerkzeug je drei Löcher gestanzt (links, mittig und rechts, jeweils 7mm unterhalb vom oberen Rand der unteren Lamelle), durch die ich mittels Cleco-Klammern die Platten temporär miteinander verbinden konnt.

Ja, Clecos sind eine feine Sache und unverzichtbares Werkzeug! Diese Klammern kann man mit einer Spezialzange öffnen, den Stift der Clecos durch ein 3mm Loch stecken (z.B. durch zwei zu verbindende Platten): Beim Lösen der Zange öffnet sich der Stift und hält den Cleco wie eine Niete fest in der Platte! Und as dauert nur 2 Sekunden! Alternativ müsste ich jedes Mal eine Schraube mit Mutter verwenden - was wesentlich länger geht und viel fummeliger ist - für Anpassarbeiten bei denen man ständig fixieren und lösen muss wär das viel zu nervig!

Mit verschiedenen Hämmern konnte ich nun die beiden verbundenen Platten weiter bearbeiten, bis sie wirklich sauber und Lückenlos aufeinander passten.

Dieser ganze Vorgang wurde nun für alle Lamellen wiederholt - hierbei musste ich aber gut darauf achten dass der ganze Brustpanzer schön symetrisch blieb und nicht auf die eine oder andere Seite 'verreiste' - hier war ständig etwas Einsatz von Gummihämmern, Zerren & Biegen und leichtem Fluchen notwendig...

Neben den 8 Lamellen wurden dann noch die Munaita (Endplatte oben, an der dann später beim Anziehen die Schulterriemen befestigt werden) sowie die beiden Wakiita (geschwungene Platten zum Schutz der Achselhöhlen) geformt und befestigt. Schliesslich wurden noch die restlichen Löcher für die Nieten gebohrt, und der Panzer ist nun bereit für die Verfeinerungsarbeiten (Glätten der Dellen, Einarbeiten der abgewinkelten Ränder, Verschleifen des Ganzen...).

Hier ein paar Eindrücke der involvierten Arbeitsschritte - demonstriert am Beispiel der Wakiita-Platte:
Hier sieht man nun eine Wakiita-Platte für unter die Achseln (FL steht hier für Front Links) auf meinem Holzblock, wo ich sie mit dem Holzhammer in eine leicht gebogene Form treibe...

Wenn sie einigermassen auf den bereits montierten Panzer passt, wird sie mittels Klemmzange mal grob positioniert...

...und dann nach Entfernen der für die nächsten Schritte störenden Clecos und Schrauben etwas stabiler fixiert.

Nach Durchboren einiger Löcher und Verschrauben der Teile haben wir nun die Wakiita sauber montiert!

Was nun am Anfang bloss wabblige Stahlstreifen waren, hat sich durch das Verbinden untereinander in einen massiven, schier unkaputtbaren Panzer verwandelt! Ein heisses Teil...



Donnerstag, 9. Januar 2014

Episode #16: Lord Helmchen...

Natürlich könnte ich selber versuchen, einen Japanischen Kabuto-Helm zu bauen, aber dies ist das wohl schwierigste Teil an der ganzen Rüstung (mal abgesehen von der Gesichtsmaske Menpo...), und ich werde mich erst später daran wagen wenn ich mir etwas mehr Metallbearbeitungserfahrung angeeignet habe.

Zum Glück bin ich aber nicht alleine auf der Welt min solchen Visionen: Mykaru-san - oder Michael Peters wie er in echt heisst - hat sich sein Hobby zum Beruf gemacht und baut in seinen Black Hydra Armouries Helme und andere Rüstungsteile für so Spinner wie mich.

Normalerweise liefert Mykaru-san fertige Rüstungsteile, aber ich habe ihn angefragt ob er mir nach meinen Spezifikationen auch nur die unbemalten, nicht zusammengebauten Einzelteile eines Kabutos, also Helmschale Hachi und Lamellen des Nackenschutzes Shikoro, fertigen würde, was er auch gerne gemacht hat.

Als 'Bezahlung ' hab ich ihm im Gegenzug einen modernen Körperpanzer beschafft, der in den USA nicht erhältlich ist und den er dann an seinen Schlachten unter der eigentlichen Rüstung tragen will um ihn vor den übelsten blauen Flecken zu schützen (Michael ist aktives Mitglied der SCA - Society for Creative Anachronism: diese Typen hämmern mit nachgebauten Rüstungen und (stumpfen) Waffen in echt aufeinander ein!).

Was ich gekriegt habe sind nun die Bauteile eines sogenannten Hineno-Zunari, eines Helmes also der grob aus drei Kopfschalen besteht, die miteinander vernietet sind. Das Ganze umfasst wie eine Art Stirnreif ein Stahlband Koshimaki, an dem einerseits der Nackenschutz Shikoro und andererseits auch die Fütterung des Helmes fixiert werden.

Zunaris sind im 16ten Jahrundert aufgekommen, im sogenannten Sengoku-jidai-Zeitalter, der "Zeit der kriegsführenden Lande". In dieser für die Japanische Geschichte extrem wegweisenden Epoche bekriegten sich die vielen verschiedenen Clans massiv, bis sie dann von Oda Nobunaga, dem grossen Reichseiniger, und Tokugawa Ieyasu (wird schliesslich der erste Tokugawa-Shôgun und war Vorlage für Yoshi Toranaga in James Clavell's berühmten Buch 'Shôgun') und Toyotomi Hideyoshi vereint wurden. In dieser blutigen Zeit wurden riesige Heere aufgestellt, und deshalb wurden die Rüstungen so entwickelt, dass sie schnell, einfach und billig hergestellt werden konnten. Massenware sozusagen - und genau sowas soll auch meine Rüstung darstellen: eine 'Standardrüstung' eines normalen, niedrigrangigen Samurai des Sengoku-jidai...

Hier nun ein paar Eindrücke der noch unbehandelten (im Moment von Mykaru-san noch mittels Salatöl vor Korrosion geschützten) Teile meines Kabuto:
Hachi meines Hineno-Zunari. Beim Hineno ist im Gegensatz zum Etchû-Zunari die Visierplatte über der rechteckigen Platte die von vorne nach hinten verläuft angebracht. Beim Etchû ist das umgekehrt...
Auf der Innenseite sieht man gut wie die drei Hauptschalen miteinander vernietet sind.

Die Lamellen des Shikoro werden dann irgendwie so befestigt.


Detail der untersten Shikoro-Lamelle: die Ränder sind umgebogen, was der Lamelle einerseits eine grössere Stabilität verleiht, andererseits aber auch dekorativer wirkt!
Als nächste Schritte bei meinem Helm werden dann die Löcher für die Verschnürung der Schürze und des Futters gestanzt, die Helmoberfläche mit Hammer, Spachtel und Schleifpapier verfeinert, und das Ganze dann schliesslich in mehreren Schichten schwarz lackiert und schliesslich zusammengebaut...

Mittwoch, 8. Januar 2014

Intermezzo: Was inzwischen geschah...

Woah! Ein ganzes halbes Jahr ist seit meinem letzten Eintrag verstrichen!!!

Ich hoffe Ihr denkt nicht ich hätte mein Rüstungs-Projekt entmutigt in die Ecke geschmissen. Weit gefehlt: ich bin noch voll dran, hatte aber bis zu den Weihnachtsferien schlicht zu wenig Zeit um mich richtig reinzuknien, denn es gab grosse und absolut grossartige Veränderungen im meinem Leben!

Also in UNSEREM Leben, sollte ich ja sagen, denn...

1) ...im Juli haben ich, Julius und Vera ein tolles Miethäuschen gefunden...
2) ...das wir im Juli an uns gerissen haben...
3) ...weshalb wir August und September diverse Umzüge geplant und vorbereitet haben...
4) ...wonach wir schliesslich im Oktober von Binningen und Muttenz nach Reinach umgezogen sind...
5) ...und haben uns hier nun ein tolles, gemütliches Heim aufgebaut!

Das ist doch mal was, oder?!?

Auch im Bereich Rüstung hat sich aber im Hintergrund wieder was getan: abgesehen davon dass ich in unserem trauten neuen Heim einen Hobbyraum mit gut ausgerüsteter Werkstatt eingerichtet habe, liess ich mir auch von einem Amerikanischen Spezialisten von Black Hydra Armories die Roh-Teile eines Zunari-Kabutos fertigen, die ich nun nach Lust und Laune verfeinern, 'finishen' und zu meinem Helm zusammenbauen kann!

Und genau dies wird das Thema des ersten 'echten' Blogeintrags zu meinem Rüstungs-Blog dieses Jahr - soon comes Episode #16...




Meine kleine, feine Werkstatt...
...komplett mit grossem Holzblock
für Dengelarbeiten, Ambösschen und
einem Haufen Hämmer!


Freitag, 12. Juli 2013

Episode #15: Maskenball

Wieder mal ein wertvolles Schnäppchen ergattert!

Auf Ebay hab ich in Japan eine Rohbau-Gesichtsmaske menpo günstig ersteigert! Das Tolle daran: die Maske ist eben nicht fertig, sondern nur blanker Stahl und Messing, und ich kann sie nach Lust und Laune für mein Rüstungsprojekt anpassen!

So ist es denn auch geschehen - respektive ich bin gerade dabei, die Maske zu lackieren und eventuell auch mit Schnauz und Bart zu verzieren:

 
Grimmasse unmittelbar nach dem
Auspacken: Arrrrrrghhh!!!!!        


Die Maske wurde erst mal innen mit Rostschutzfarbe
(in Rostrot - wie clever ist das denn!) ausgesprayt.
Hier das abnehmbare Nasenteil...                        

Die Aussenseite wurde zwischenzeitlich
schwarz lackiert (hier der Gesichtsteil  
ohne Nase), und wird als nächstes     
innen wie aussen mit robustem         
2-Komponenten Klarsichtspray          
versiegelt.                                    



Dienstag, 11. Juni 2013

Episode #14: Man kann es immer besser machen...

Ah, schon zwei Events habe ich dieses Jahr mit meiner alten Rüstung absolviert, nämlich die beiden MPS-Spektakel in Bad Säckingen und in Weil am Rhein! Als nächstes ist dann Karlsruhe dran, auch dies noch mit der "roten", denn die neue schwarze Rüstung braucht noch einiges an Arbeit und wird wohl erst auf die Saison 2014 fertig.

Immerhin erlauben meine aktuellen Erfahrungen mit der alten Rüstung meine Eigenbau-Rüstung besser und optimierter zu designen und zu bauen. Hier mal ein paar Punkte die ich bei meinem Design anpassen und somit den Tragkomfort wie auch das Aussehen massiv verbessern werde:



(1) Shikoro: Die Nackenschürze des alten Helmes ist viel zu gross und kommt zu weit runter! Dies führt dazu dass die unterste Lamelle sich oft zwischen den beiden Schulterpanzern verkeilt so dass ich meinen Kopf kaum bewegen kann! Ich renn dann jeweils schlacksig rum wie C3-PO ("We're doomed..."), und das wollen wir ja nicht...

(2) Sode: meine Schulterpanzer werden enganliegender als die grossen, fast vertikalen Platten der alten Rüstung, und sollen dem Schulterverlauf besser folgen! Auch dies soll mir mehr Kopffreiheit geben und authentischer aussehen.

(3) Maedate: die Helmverzierung ist ja schon cool, aber man verkeilt sich damit immer in den Zeltdächern, wenn man mal an einem Stand was anschauen will. Vielleicht verzichte ich vorerst mal auf Helmzierrat, oder designe zumindest was was gut 'unten durch ' kommt...

(4) Kote: meine jetzigen Armpanzer sind viel zu kurz, und deshalb ist meine Armfreiheit eingeschränkt und vor allem die Handrückenpanzer sitzen einfach nie wo sie sollen! Also: richtig dimensionieren!

(5) Men yoroi: Die Gesichtsmaske Menpô mit anhgehängtem Kragen (6) sieht ja fein aus, und man kann damit super Leute erschrecken! Andererseits schränkt das ganze Geplämpel wie auch die Nackenschürze die Kopfbewegungsfreiheit stark ein - und stört ungemein beim Knutschen (7)... Ich werde deshalb wohl das ganze aufteilen in Halsschutz Nodawa und einfacher abnehmbare Maske. Muss mich noch erkundigen ob das auch authentisch ist und so praktiziert wurde. Naja, man muss auch nicht immer päpstlicher sein als der Papst. Oder shôgunischer als der Shôgun...

(8) Natürlich wird der Brudtpanzer genau auf meinen Körper abgestimmt! Ich sag jetzt aber pointiert nicht ob mehr oder weniger gedengelt werden muss...

(9) Odoshi: ich werde speziell auf eine gute, stabile Verschnürung achten müssen! Die billigen China-Schnürsenkel sind nach gut einem Jahr schon recht ausgeleiert und die Schürzen und so wärden länger und länger und zeigen z.T. schon vereinzelte Zwischenräume! Also sauber und straff verschnüren - vielleicht stabilisier ich sogar mit etwas Leder - das hilft auch gegen Geklapper...

Kampfwertsteigerung schon vor dem eigentlichen Bau?!? Also fast wie beim Gripen E...

Montag, 27. Mai 2013

Episode #13: Zweite Hämmerung

Ha! ich könnte mich an die Metallbearbeitung gewöhnen!

Heute hab ich vor dem Nachtessen schnell ausprobiert, wie man ein fukurin macht...

"Fukurin" ist nicht etwa ein japanisches Fluchwort, sondern ein aus einem Metallstreifen gefertigter Rand auf einem anderen Metallteil.

Eingesetzt wurden fukurin früher vor allem um dekorativ bedruckte Lederstücke an Metallplatten der Rüstung zu befestigen indem das leder durch den Metallrand auf die Platte geklemmt wird. Später verzichtete man oft auf das Leder, setzte die fukurin aber noch ein um - ebenfalls der Dekoration wegen - einer Metallplatte etwas mehr Struktur zu geben.

Die Herstellung eines solchen Randes wurde in den einschlägigen Foren als recht knifflig beschrieben, aber es geht eigentlich auch überaschend einfach: Man schneidet sich eine ca. 1cm breiten Streifen eines weichen Metalls (in meinem ersten versuch nahm ich Kupfer, wenn's ernst wird werde ich Messing verwenden) und falte den in der Mitte um ein U-förmiges Teil zu erhalten. Dieses U steckt man dann auf die verzierende Stahlplatte und hämmert es fest!

Ganz einfach bei geraden Stücken, etwas pröbeln muss man aber wenn man um 'ne Kurve muss - wie zum Beispiel bei den Endplatten meiner sode-Schulterpanzer. Aber auch das scheint gut zu funktionieren!

Die 'echte' Variante wird dann an beiden Enden des fukurin noch kleine Verbreiterungen des Streifens haben: durch diese Flugelchen und die Platte darunter wind ein kleines Loch gebort und das fukurin mit einem feinen Metallstift sicher vernietet, damit es nicht wegspringen kann.

Kupfer-fukurin an meiner sode-Endplatte - mal
versuchsweise...
Also langsam hab ich die Techniken zusammen!

Brauch ich nur noch einen schallgedämpften Raum in dem ich so richtig loshämmern kann... Hat irgendwer Zugang zu 'ner Gummizelle?

Montag, 6. Mai 2013

Episode #12: Erste Hämmerung...

Pfüh, schon wieder über zwei Monate her seit meinem letzten Eintrag - aber keine Angst, ich bin nicht (nur...) faul rumgelegen, sondern wieder ziemlich weiter gekommen!

Abgesehen davon dass ich mir eine Nähmaschine zugelegt und bereits an meiner Rüstung rumgeschneidert (der Bericht dazu folgt noch), weitere Teile designed und wieder viel rumexperimentiert habe, habe ich nun auch ein Grossteil des benötigten Materials für Brustpanzer sowie die Schulterpanzer sode und die Schürzen kusazuri zusammen! Nun kann ich also so richtig mit dem eher brachialen Teil des Rüstungsbaus beginnen: Stahlbearbeitung!

Die Teile für die Lamellen des sowie die geschwungene Endkappe der sode habe ich wiederum per CAD gezeichnet und laserschneiden lassen, während ich für die geraden Lamellen der anderen Elemente einfach Streifen von Stahlblech in der benötigten Breite (68mm) und einem Meter Länge beschafft habe, die ich mit meinen Werkzeugen problemlos auf die benötigten Längen kürzen kann...

Hier ein paar Impressionen:

Dies eine Zeichnung der Teile für die Vorderseite des ...
...und hier die Rückseite...
...was zusammen Stahlblech von ziemlich
genau 10kg für den ganzen Brustpanzer
entspricht!
Und hier das Resultat der allerersten Hammer-
schläge an meiner Rüstung: der untere Rand
der sode-Endplatten muss umgefalzt werden...
Auf den umgefalzten Rand der oben gezeigten Endplatte wird dann später - nach sauberer Verarbeitung des Metalls und Stanzen einiger Löcher für Nieten und Schnüre - die oberste Panzerplatte der sode angenietet. Der Geschwungene Teil der hier nach links schaut steht also schlussendlich senkrecht von der Schulter nach oben (und soll meinen Hals ein wenig vor mich-köpfen-zu-wollenden Schwertstreichen schonen...) , während die oberste sode-Platte dann horizontal von den Schultern absteht.

Hey, das Bearbeiten des Stahlblechs geht überaschend gut! Ich arbeite bei den unterschiedlichen Schritten mit einem kleinen 10kg-Amboss, verschiedenen Hämmern und einem Schraubstock, und prügle so den Stahl in die gewünschte Form. Es ist noch etwas Einarbeit und einiges an Feinschliff nötig, aber das kommt gut!

Stahlblech kann aber nicht nur gehämmert, sondern auch gepresst werden um es in die gewünschte Form zu bringen. Diese methode setze ich bei meinen Plättchen für den Oberschenkelpanzer haidate ein, wo ich etwa 60 Plättchen möglichst die gleiche Form geben will. Dazu nehme man ein paar Alu-Winkel, drei halbrunde Messing-Stäbe und einen Schraubstock:

Platte leicht einklemmen und sauber ausrichten...

...ein paar kräftige Kurbelungen am Schraubstock...

...und - tadaaa - fertig ist ein fertiges haidate-
Panzerplättchen!
Das Formen der Plättchen für die Armpanzer (die werden nicht winklig wie die oben gezeigten, sondern rundlich gebogen) hab ich mir noch eine skurilere Methode ausgedacht (und bereits erfolgreich getestet): aus Jasskarten (!!!) hab ich mir die gewünschte Plattenform zusammengesetzt (also die Karten flach aufeinander aber so gegeneinander verschoben dass sich eine 'Öffnung' bildet), die Karten untereinander gut verleimt, und habe so nun eine Lehre in die ich die Platten einsetzen und mit dem hammer in diese Form reindengeln kann!

Unbearbeitete (links) und bearbeitetes kote-Plättchen zusammen
mit der Jasskarten-Lehre...
 Klar hätte ich die Lehre auch aus einem Stück Holz herausschleifen können, aber das wäre aufwändiger und ungenauer gewesen. Mit dem kartentrick lassen sich einfach auch kompliziertere Lehren fertigen! 

Nicht vergessen: wenn's blöd aussieht, aber funktioniert, dann ist's nicht blöd...   = )
 

Donnerstag, 21. Februar 2013

Episode #11: Dunkle Ketten

Meine lasergeschnittenen Panzerplättchen scheinen zu gefallen - ich hatte jedenfalls ein interessiertes Echo im Rüstungs-Forum in den USA. Es gibt sogar Leute die sich dafür interessieren, solche Platten (v.a. die kleinen sechseckigen kikkô) zu beziehen!


Es sind dabei auch noch Fragen aufgetaucht zu meinem Kettenmaterial und zur Weiterverarbeitung der Plättchen, daher hab ich ein paar Bilder gemacht, und die teile ich hier auch mit Euch:



So hämmere ich die kikkô-Plättchen in die benötigte Tellerform:
rauf auf den Klotz, rundes Ende des Ingenieurhammers drauf,
und mit einem zweiten Hammer feste druff gehaut!
Kettenpanzer-Teile können eingefärbt werden indem man sie sprayt,
oder aber - wie hier - mehrfach in Leinsamenöl taucht und nachher
abfackelt, wodurch eine dunkle Oxydschicht auf der Metalloberfläche
entsteht.
Hier ein Vergleich zwischen unbehandeltem und mittels oben erklärtem
"Schwarzbrennen" behandelten Ketten. Mal noch schauen wie's mit
Sprayen aussieht...




Mittwoch, 20. Februar 2013

Episode #10: Ninja Turtle

Hey, meine gelaserten Plättchen sind eingetroffen! Jetzt hab ich also einiges zu tun und es geht wieder voran mit den Armpanzern kote und nun neu auch mit den Knieschonern tateage und dem Panzermäntelchen manchira! Mittlerweile wirds auch farblich interessanter...

Hier aber mal was mir Meyer Blech-Technik AG hübsches rausgelasert hat (siehe auch die CAD-Zeichnung der Plättchen im letzten Blogeintrag):

Die Plättchen für kikkô-Brigandine, haidate-Oberschenkelpanzer
und kote-Armpanzer. Das Massband ist in Zoll, denn die Bilder
sind für ein in den USA angesiedeltes Japanrüstungs-Forum
gemacht...
Während ich nebenbei die Produktion vom Kettenpanzer für Arme und Schenkel wieder aufgenommen habe (ich pausierte um auf die Platten zu warten), habe ich nun auch (tief in der Nacht *gähn*) mit den brandneuen sechseckigen kikkô-Plättchen experimentiert.

Kikkô bedeutet 'Schildkröte' und bezeichnet im Japanischen Rüstungsbau ein Material, das aus vielen sechseckigen Plättchen besteht die zwischen zwei Stofflagen eingebunden sind. Solches in Europa als Brigandine (nein, das ist nicht die Frau des gallischen Schmieds und Rüstungsbauers Automatix...) bekanntes Material ist sehr flexibel, bequem zu tragen und bietet trotzdem mässigen Schutz vor Schnittwunden, nicht aber vor Stichen, da Klingen und Pfeile leicht zwischen den einzelnen Plättchen die Rüstung und den Typen darin perforieren kann.

Die japanische Brigandine-Variante kommt oft recht farbenfroh daher, denn erst werden die Plättchen mit einer kreuzförmigen Verschnürung fixiert und dann mit einer doppelten Bahn Garn sechseckig abgegrenzt - und dies oft in kontrastreichen Farben. Bei mir wird's orangegelbes Fixierungsband und gelbes Sechseck auf nachtblauem Grund. In dieser Art und Weise werden die Knieschoner tateage sowie das Mäntelchen manchira, das unter der Rüstung getragen wird und die heiklen Achselhöhlen und den Hals schützen sollen, ausgebildet.

Trägerstoff für Knieschoner tateage mit darauf angeordneten
kikkô-Plättchen...

Einzelnes kikkô-Plättchen mit versuchsweise mal durch-
geschlauftem Bändel. Ein Plättchen misst ca. 15x17mm...

Kleiner "Blätz" mit meinem ersten kikkô-Versuch! Ist noch
etwas unregelmässig, aber wenn ich auch auf der Vorder-
seite sauber vorzeichne gehts dann schon!

Die Herausforderung beim Ganzen ist, einen 5mm breiten Schnürsenkel durch nicht nur ein 2.5mm grosses Loch auf der Platte, sondern auch noch durch zwei Lagen Stoff zu pfriemeln, ohne dabei das Gewebe so zu verletzen dass die Stabilität darunter leidet. Ich hab das erfolgreich geschafft indem ich den Senkel ganz eng verdrehe und in diesem Zustand mit Sekundenkleber tränke und trocknen lasse. Nachhher zwicke ich das Ende der Schnur ab, spitze den mit Sekundenkleber gehärteten Teil leicht an und hab presto eine Nadel mit der ich durch alles durchkomme wo ich durch muss! Zumindest wen ich den Stoff mit einer Ahle erst vorsichtig loche...

Und eben, auch Kettenarbeit ist wieder gefragt! Hier ein  Versuchsmuster für die haidate: Pro Oberschenkel gibts drei Bahnen à 10 Plättchen, die mit Ketten zusammengemacht und auf den Stoffteil der haidate genäht werden. Die Plättchen werden dabei senkrecht angeordnet.

Erstes Muster zweier Zeilen von Panzerplatten für haidate-
Oberschenkelpanzer. Die Plätttchen werden vor dem
endgültigen Einbau noch halbrund in Form gedengelt und
schwarz lackiert...
So viele Platten, so wenig Feierabend...   = (





Montag, 14. Januar 2013

Episode #9: Tradition

Es wird konkreter und konkreter! Mittlerweile hab ich eine tolle Handlochstanze, 'ne Hebelblechschere, kann nieten, weiss was ich will...

Brauch ich aber etwas Material!

Damit ich im Moment weiterkomme lass ich mir vorerst mal drei unterschiedliche Plattentypen fertigen: Stahlplatten für Armpanzer, für Oberschenkelpanzer und für Knie- und Schulterpanzer mach' ich mir nicht selbst, sondern lasse sie in alter traditioneller Art und Weise mittelalterlich authentisch Laserschneiden!

Traditioneller Holzschnitt (ca. 16.Jh.)einer
hikari setsudan  bei der Arbeit mit dem Laserskalpell
Ich weiss es ist im Allgemeinen nicht weit bekannt, aber die Japaner haben schon vor Jahrhunderten die Laserschneidetechnik erfunden und perfektioniert! Die berühmte Shikashi inazuma-Technik des Meisters Gojira no Gensô (1399-1467) wurde vor allem von über viele Jahre ausgebildete Hofdamen, den hikari setsudan (Licht-Schneiderin) ausgeübt. Für den für dieses Verfahren sehr hohen Energiebedarf wurden grosse Lafmühlen für speziell gezüchtete Riesennager namens hamtaro jikkô gezüchtet. Diese sind aber später leider alle - wohl wegen Kreislaufproblemen - ausgestorben, so dass heute der für das Laserschneiden benötigte Strom halt aus der Steckdose geholt werden muss.

Ok, hier nun aber die drei Platten die ich mir für mein Projekt designed hab: Links die schmalle Panzerplatte für den Oberschenkelpanzer haidate (davon brauch ich etwa 60 Stück), in der Mitte die etwas breitere Platte für den Armpanzer kote, von denen ich bloss etwa 20 brauche (Ihr erinnert Euch an die Kupfer-Platzhalter aus Episode #8? Genau da kommen die dann rein - deshalb auch die vielen Löcher für die Kettenringe...), und schliesslich rechts ein paar der sechseckigen kikkô-Plättchen, die  zwischen zwei Stoffschichten genäht werden und somit einen Brigandinen-Panzer bilden der zum einen an den Knien und zum anderen an Schultern/Achseln/Hals zum Einsatz kommen. Hiervon brauche ich satte 750 Stück. So in etwa. Wird viel Arbeit, sieht dann aber wegen dem Schildkrötenartigen Muster echt fein aus!


In einer nächsten Phase - die ich schon fleissig am vorbereiten bin - werden dann auch noch die  geschwungenen Lamellen für den Brustpanzer und für den Helm ausgeschnitten...

Sonntag, 16. Dezember 2012

Episode #8: Brustbild

So, einiges ist gegangen in letzter Zeit, sowohl handwerklich als auch konzeptionell: ich habe an dem ersten Arm-Kettenpanzer weitergearbeitet, dafür die dazu benötigten Platten neu dimensioniert, etwas mit Stahlblech rumexperimentiert (kennt Ihr das Geräusch eines brechenden 1.5mm Bohrers mit Titanbeschichtung?), meinen Werkzeugkasten etwas gepimpt und weiter am ganzen Projekt rumgegrübelt...

Ein erster Teil des Kettenpanzers des linken Arms mit Placeholder-
Panzerplatten aus Kupfer (wird schlussendlich Stahl). Man muss
sich vorstellen dass die Platten auf dem Oberarm liegen und
die leeren Quadrate auf der Ellbogen-Innenseite.
Oben/vorne kommen dann die Unterarmschienen dran, und Mitte
links die runde Schutzplatte des Ellbogens...
Zwischenzeitlich steht sogar die Bauform des Brustpanzers ziemlich fest: es wird ein sogenannter ni-mai dô, der aus sich leicht überlappenden Vorder- und Rückseitenteilen besteht die mittels Schnüren zusammengehalten werden. Die geplante Ausführung nennt sich yokohagi, was heisst dass der Kürass aus horizontalen, miteinander vernieteten Lamellen besteht. Das Ganze zusammen heisst somit yokohagi ni-mai dô.

Dieser Kürass-Typ war häufig bei eher niedrigrangigen Samurai, was meinem Plan erst mal mit einer einfachen, unkomplizierten Rüstung zu bauen nahe kommt. Das Ganze wird wahrscheinlich schwarz lackiert und auf der Vorderseite mit einem goldenen Clan-Wappen mon bepinselt. Auf der Rückseite kommt ein kleiner Halter für die Schlachtstandarte hin.

Die extrem hilfreiche Website Nihon Katchû Seisakuben vom versierten Japanologen und Samurai-Rüstungs-Guru Anthony J. Bryant offeriert praktischerweise ein Schnittmuster für diesen Panzerungstyp, und so hab ich etwas rumgebastelt um zu schauen wie sich die Form der Rüstung ergibt - und siehe da, es geht:

Vorder- (rechts) und Rückseite des aus Papier, ca. Mass-
stab 1:2. In den Ecken und oben an den Panzern kommen
weitere, geschwungene Platten dran die dem Ganzen eine
abgerundetere Form geben...
Geplant ist nun dass ich über Weihnachten die Lamellen auch 1:1 aus Karton fertige und den Panzer so mal aufbaue und auf meinen Körper abstimme, bevor ich dann das Schnittmuster der insgesamt 23 -Platten im CAD aufzeichne und zum Laserschneiden gebe.

Dann geht's ans Hämmern und Nieten!